hier nun ein Umbaubericht des Piko-ICE3 in der DC-Analog-Ausführung.
Geplant waren folgende Veränderungen:
- richtungsabhängige Stromabnahme von beiden Steuerwagen - 4-Achs-Antrieb und eingängige Schnecke - Faulhaber-Motor für bessere Fahreigenschaften - neue Pantographen von Roco - korrekte Lackierung des Stromabnehmerbereichs - Führerstände lackieren - Drehgestelle/Räder lackieren - Scheibenbremsen anbringen _________________________________________________________________________
1.) Pantographen Die Pantographen des Roco-Modells der Baureihe 185 eigenen sich wegen der nur geringen Unterschiede zum Panto des ICE3 recht gut. Um den Pantograph einzubauen, sollte man zunächst vorsichtig (!!) die Hochspannungs-Ausrüstung und die Piko-Pantographen abbauen. Danach werden ebenfalls vorsichtig die Windabweiser entfernt, welche nicht ganz so stark verklebt sind wie die Isolatoren. Daher sollte dies nicht all zu schwer sein. Nun nimmt man die Trägerplatte der Hochspannungsausrüstung heraus (am besten von unten mit einem Schraubenzieher durchdrücken). Nun sollte jeder für sich entscheiden, welchen der beiden Möglichkeiten er wählt.
a) Profi-Variante (Bei der Profi-Variante muss später auf jeden Fall lackiert werden!): Die Bohrungen des Piko-Pantos werden alle zugespachtelt (z.B. mit 2K-Kleber) und nach dem Aushärten mit möglichst feinem Schleifpapier nachgeschliffen. Die Verdickungen auf der Unterseite der Löcher werden abgefräst. Das Loch für die Befestigungsschraube, kann man am zu Dachausrüstung zeigenden Rand des alten Lochs ansetzen.
Zur Verdeutlichung die Grafik:
Nachdem die Löcher gebohrt wurden, muss das Ganze in RAL 7039 (Quarzgrau) lackiert werden. Die macht man nach Möglichkeit mit einer Airbrush, da das ansonsten nicht überzeugend wirkt. Nun kann man den Dachbereich wieder zusammenbauen, was dann so aussieht:
Panto ist gesenkt:
Schräg von der Seite:
b) Minimal-Variante: Wer sich das exakte Bohren und Lackieren nicht zutraut, kann die auch umgehen. Dann müssen die Isolatoren am Pantographen festgeklebt und deren Stifte abgeschnitten werden. Den Panto selbst kann man dann in dem recht großen Loch der Piko-Schraube einjustieren. Allerdings werden dann teile der alten Löcher zu sehen sein, weshalb ich eher zur Möglichkeit a) rate. __________________________________________________________________________
2.) Führerstände Zu den Führerständen ist nicht viel zu sagen. Da mich lediglich die hellblaue Farbe gestört hat, wurden die Führerstände ebenfalls in RAL 7039 (also ein Dunkelgrau) lackiert. Ansonsten wurde daran aber nichts geändert. __________________________________________________________________________
3.) Drehgestelle/Räder lackieren Die Drehgestelle wurden mit der Airbrush in RAL7039 (Quarzgrau) lackiert und die ursprünglich glänzenden Räder mit einer „Dreckmischung“ ausgelegt.
Das sieht dann so aus: __________________________________________________________________________
4.) Scheibenbremsen Mal Vorab: Die Bremsscheiben kommen nur an die Drehgestelle der Wagen 1, 3, 6 und 8. Dies sind die Wagen, die beim Vorbild angetrieben sind und deshalb Scheibenbremsen auf der Außenseite haben. Die Wagen 2, 4, 5 und 7 haben auf der Außenseite keine Scheibenbremsen. Daher habe ich diese "dreckig" ausgelegt (siehe oben).
Die Scheibenbremsen bekommt man als Ätzplatte von Beckert-Modellbau. Auf einer Ätzplatte sind 40 Scheibenbremsen, die man mit einer Trennscheibe heraustrennen sollte (mit einer Schere geht das auch, ist aber nicht so toll und gibt später nur Probleme). Da man 32 Scheiben braucht, hat man 8 als Reserve. Die Punkte (in echt die Schraublöcher) sind bereits schwarz ausgelegt.
So sieht die Platte aus:
Nachdem man die Scheibenbremsen ausgeschnitten hat,sehen die so aus:
Beckert-Modellbau sieht das nun so vor: Die Scheibenbremsen werden einfach in die Radsätze gelegt (da geätzt sollen die auch passgenau sein) und festgeklebt. Das Problem an der Sache ist aber, dass in dem Radsatz noch eine minimale Stufe ist (auf Fotos ist das nicht zu sehen, ich hoffe ihr könnt euch das so vorstellen). Diese Stufe verhindert, dass die Bremsscheibe plan im Radsatz liegt. Die Folge ist, dass später die Scheiben eiern. Die Lösung für Gustav und mich war, die Stufen der Radsätze auf der Drehbank auszudrehen (falls sich dafür jemand genauer interessiert, bitte melden). Danach passten die Scheiben auch plan und passgenau in die Radsätze. Nach einer Passprobe wurden die Scheiben mit 2-Komponenten-Kleber festgeklebt.
Das Ergebnis:
Bedenkt, dass die Drehgestelle dunkler lackiert sind. Bei den zu hellen Drehgestellen des Originals wirken die Scheiben nicht so gut. _________________________________________________________________________
5.)Stromabnahme ändern Da Piko zum einen nur dem 1.-Klasse-Steuerwagen eine Stromabnahme spendiert hat, diese aber auch eine extreme Bremswirkung hat, musste eine neue Stromabnahme her. Dafür muss bei den Drehgestellen auf der Oberseite ein „Träger“ teilweise abgeschliffen werden. Dann kann man mittig jeweils rechts und links ein Loch (Durchmesser 1,1 mm) bohren. Anschließend schneidet man M1,4-Gewinde. Die Stromabnahme-Bleche schneidet man aus 0,1mm-Bronzeblech (muss man runterätzen) zurecht und bohrt Löcher für die Schauben. Die Kabel muss man vor dem Einbau in die Drehgestelle anlöten, da man ansonsten den Kunststoff verformt.
6.)Richtungsabhängige Stromabnahme In den beiden Steuerwagen ist jeweils eine Dioden-Schaltung, sodass immer nur vom vorausfahrenden Steuerwagen Strom abgenommen wird. Achtung!: Die nur bei einem analogen Zug machen. Bei einem digitalen Zug geht dann nichts mehr!
Der Schaltungsplan: __________________________________________________________________________
7.) Antrieb
Zuerst sollte man jedem Mittelwagen ca. 90 – 100 gr. zusätzliches Gewicht verpassen, da diese ansonsten nicht sicher genug laufen. Genügend platz ist vorhanden, sodass man z.B. Stahlplatten reinlegen kann.
Für den Faulhaber-Motor ist eigentlich genügend Platz vorhanden. Man muss nur wenig fräsen.
Der Umbau auf 4-Achs-Antrieb mit Fleischmann-Schnecken und Messing-Zahnrädern (M0,4 Z10) hat leider nicht viel gebracht. Die Schnecken fräsen die Zahnräder ab und würden sicher nicht lange halten. Die Roco-Schnecken, mit denen das möglich gewesen wäre, sind leider nicht mehr erhältlich.
Daher wurde der Zug erstmal auf das originale Piko-Getriebe zurückgebaut. Damit fährt der Zug als (mit Zusatzgewichten und Faulhaber ausgestatteter) 8-Teiler recht gut, vom Getriebe ist aber ein Scharren zu hören. Langfristig bleibt für uns nur die Möglichkeit eines Getriebe-Neubaus. Sofern dies nötig und fertig ist, werde ich das hier posten. __________________________________________________________________________
Das Ergebnis entschädigt für die ganze Arbeit (mal abgesehen vom Antrieb, das sehen wir dann), bei der mir Gustav tatkräftig zu Seite stand. Dennoch würden wir das nicht noch einmal machen. Zumal einem die Arbeit durch die „Klebstoffwut“ der Chinesen recht schwer gemacht wird. Eigentlich hätten noch Zuglaufschilder bzw. –anzeigen von hinten hinter die Fenster geklebt werden sollen, aber die bekommt man nicht heraus, ohne was kaputt zu machen.
Für die Angegebenen Arbeiten, Pläne und Schaltungen übernehme ich keine Gewähr! Somit erfolgt ein Umbau auf eigene Gefahr.
Ich habe jetzt den Grundstein für meine Moba gelegt und bin selbst stolzer Besitzer des von Dir umgebauten Piko-Zuges. Kaum ausgepackt, hat mich meine Frau allerdings ein wenig ins Grübeln gebracht mit dem Ausspruch: "Der ist aber arg dunkel. Das Vorbild ist doch weiß!"
Da Du Dich ja bzgl. ICE 3 bestens auskennst: Welchen RAL-Ton hat die Originallackierung, und überhaupt: Was meinst Du zu dem Vorwurf? Antworten der anderen sind natürlich genauso willkommen
Gruß Volker
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Die "weiße" Farbe ist Lichtgrau (RAL 7035). Das ist ein "dreckiges Weiß", d.h. ein sehr helles Grau.
Wie auf Jipar's Bildern zu sehen, entspricht die Lackierung des Piko-Modells exakt dem Vorbild. Da ist nichts dunkel.
Bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen erscheint die helle Farbe natürlich verschieden. Im grellen Sonnenlicht sieht ein ICE natürlich weiß aus. Anders ist das mit dem Modell unter der Küchentischlampe.
:hallo: Grüße aus Frankfurt am Main :hallo:
Bernd Müller
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>>Der ist aber arg dunkel. Das Vorbild ist doch weiß. . .<<
Den Farbton hat Bernd oben bereits benannt.
"Farbe" ist etwas sehr Subjektives. Die eigenen Eindrücke hängen sehr stark von der Umgebung, in der sich das Objekt befindet ab. Und vom Glanzgrad, je glänzender, um so heller wirkt ein Objekt.
Der Piko-Zug ist relativ matt. Und wirkt damit auf den ersten Blick dunkler. Unterstrichen wird das dann noch durch die viel zu hellen Drehgestelle und die "weissen" Flächen unter den hellroten Pantos.
Wenn man das alles erst einmal richtig stellt, wie wir es bei dem oben abgebildeten Zug gemacht haben, sieht der auf einmal viel ansprechender und vorbildgetreuer aus.
Inzwischen hat obiger Zug noch geätzte Scheibenbremsen bekommen, nur die Magnetschienebremsen fehlen noch.
Das Spielzeug-Outfit ist weg, das er von Haus aus hat: - zwar mattes Gehäuse aber - glänzende hellgraue Drehgestelle - glänzende Räder - knatschrote Plastikpantos - babyblaue Führerstände gekrönt von - 400km/h, die keinen Berg hochkommen
...mal ne andere Frage: Ich habe meinen ICE3 (die AC-Version) auch ein bißchen modifiziert und muß feststellen, daß er an manchen Weichen rausspringt.
@Gustav: Kann ich überall Märklin-Radsätze einbauen (auch im Motorwagen) wegen des höheren Radprofils? Ich meine beobachtet zu haben, daß das Entgleisen damit zusammenhängt...
Hallo hab da mal ne frage woher bekommt man dieses Bronzeblech. Hab vor bei anderen Loks noch stromabnehmer anzubauen. Muß sagen die stromannahme sieht ganz gut aus.
MfG Martin man baut immer zweimal und ich wohl etwas mehr Ich fahr mit OpenDCC, selbstbau macht Spaß
Die "weiße" Farbe ist Lichtgrau (RAL 7035). Das ist ein "dreckiges Weiß", d.h. ein sehr helles Grau.
Bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen erscheint die helle Farbe natürlich verschieden. Im grellen Sonnenlicht sieht ein ICE natürlich weiß aus. Anders ist das mit dem Modell unter der Küchentischlampe.
Also wenn das hier lichtgrau ist (RAL 7035):
...dann ist der Piko-ICE3 farblich wirklich gelungen!
Aber mensch Bernd, Du warst heute in Frankfurt und hast doch das Vorbild gesehen - ist das tatsächlich auch nur annähernd so grau?
Ich glaub ich renn doch mal selbst in den Bahnhof und guck mir das nochmal an - in der Erinnerung erscheint einem ja alles immer viel leuchtender (meine Küchenlampe ist jedenfalls unschuldig )
Gruß Volker
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Also ich würde eher sagen, das ist ein "Schmutziges" weiß! Das oben abgebildete Lichtgrau empfinde ich als viel zu dunkel! Aber ich habe ihn im Orginal auch erst einmal aus 50m entfernung gesehen (im Schlepp einer Diesellok). (Kann keiner mal welche in Magdeburg vorbei brinngen, die sind hier so selten!)
>>Kann ich überall Märklin-Radsätze einbauen (auch im Motorwagen) wegen des höheren Radprofils? Ich meine beobachtet zu haben, daß das Entgleisen damit zusammenhängt...<<
Nein, das hat nach meinen Erkenntnissen damit nichts zu tun. Wir hatten das gleiche Problem auf Zweileitergleisen.
Die Ursache liegt in der asymmetrischen Drehgestellaufhängung (aussermittiger Drehpunkt) in Verbindung mit dem Wagengewicht.
Wir haben (wie oben beschrieben) ausser dem Antriebswagen allen Fahrzeugen so 80 bis 90 Gramm Zusatzgewicht verpaßt. Seitdem läuft der einwandfrei.
Ob das der miese Orginalmotor noch schafft, ist eine andere Frage, die ich nicht beantworten kann, weil wir da einen Faulhaber 2230 mit 3,5W Leistung eingebaut haben.
>>. . .woher bekommt man dieses Bronzeblech. . .<<
Im Metallhandel in Platten von min. 50x50cm, wobei das meistens so 0,2mm dick ist. Deshalb oben der Hinweis, daß wir das auf 0,1mm runtergeätzt haben.
Früher gab es das bei Günther und bei Schullern. Beide Firmen gibt es nicht mehr. Aber Schullern hat eine Nachfolgefirma in Lichtenstein (Namen müßte ich raussuchen), die haben das sicher noch im Programm.
Bei Fohrmann und Weinert könnte man auch 'mal gucken.
Im Zweifelsfall kann ich es auch liefern, aber nur in der Orginaldicke. Geätzt wird bei uns immer nur behelfsmäßig mit FeClIII, da hier vor Ort keine Ätzmaschine vorhanden und kein vernünftiges Ätzmittel anwendbar.
@Gustav: Ich hatte bereits die ganzen Hohlräume unter den Sitzbänken mit Bleikugeln ausgefüllt. Die Wägen haben schon deutlich mehr Gewicht - springen aber trotzdem raus...
ZitatGepostet von ptlbahn Aber ich habe ihn im Orginal auch erst einmal aus 50m entfernung gesehen (im Schlepp einer Diesellok). (Kann keiner mal welche in Magdeburg vorbei brinngen, die sind hier so selten!)
Dann schau Dir doch mal die anderen ICE's aus der Nähe an. Die haben exakt die gleiche Lackierung. Und die IC-Wagen haben sie inzwischen auch. Irgendwas davon wird doch wohl auch in Magdeburg regelmäßig vorbei kommen.
:hallo: Grüße aus Frankfurt am Main :hallo:
Bernd Müller
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ZitatGepostet von Iwans Tschtschtsch @Gustav: Ich hatte bereits die ganzen Hohlräume unter den Sitzbänken mit Bleikugeln ausgefüllt. Die Wägen haben schon deutlich mehr Gewicht - springen aber trotzdem raus...
Hast du sonst noch eine Idee?
Hallo Iwans Tschtschtsch,
ich bin nicht Gustav, aber:
mein erster Piko entgleiste - zurück an den Hersteller. Der zweite läuft einwandfrei, OHNE Bleikugel, egal welche Richtung und Geschwindigkeit. Meiner kommt ohne Modifikation der Original AC Ausführung eine 3% - 4 % Rampe (fast 4m lang) hoch und runter. Meiner hat keine probleme wie Motor brummt.
Meiner fährt so wie er soll - was macht ihr nur??
Ich habe meinen umgebaut mit Innenbeleuchtung und weißen Front LEDs, jede Seite zieht ca. 40mA. Der Decoderausgang für die Beleuchtung wurde mit je einem Transistor verstärkt, das war alles.
lg tron25
Träume nicht Dein Leben, sondern lebe deinen Traum!
Bekommst Du die zusammengeschoben? Die sind eigentlich nicht so fest auf der Achse (die angetriebenen schon).
Ansonsten: Pack die in einen Polsterumschlag und schick die her. Ich mache Dir das dann so, wenn Du mir nur das Porto für die Rücksendung nach München bezahlst.